Zahlen bitte!

Einige gesetzliche und private Krankenversicherungen sind in Deutschland zu Vorreitern der Digitalisierung geworden. Zurzeit steht die elektronische Patientenakte (ePA) im Mittelpunkt der Diskussion und einige Kostenträger bieten ihren Versicherten erste Versionen an. Der nächste Meilenstein wird das eRezept sein, mit dem die ausschließliche Fernbehandlung endlich auch in Deutschland zum Fliegen kommen wird.

Die Nachfrage der Versicherten und der finanzielle Spielraum in der GKV in Folge der guten Beschäftigungslage haben einige Krankenkassen bei digitalen Angeboten sehr aktiv werden lassen.

Drei Akten sind bereits bei den Versicherten angekommen. Das AOK-System unter Führung des AOK Bundesverbandes legt den Schwerpunkt auf lokale Pilotprojekte. Die TK füllt auf Wunsch der Versicherten die Akte „TK Safe“ bisher mit Daten, die sie aus den Abrechnungsprozessen einspielt. Bei der Vivy, der Lösung der Bitmarck (DAK und BKK/IKK), müssen Informationen aktiv von den Leistungserbringern bzw. Versicherten geteilt werden. Vivy wird auch im PKV Bereich genutzt, bisher von der Allianz, der Barmenia und der Gothaer. Gespannt ist man darauf, wie sich die Barmer positionieren wird und welcher Initiative sich die vielen weiteren Krankenkassen anschließen werden. Nach der TK-Studie zur Digitalen Gesundheitskompetenz 2018 haben gerade Versicherte kleiner Krankenkassen ein hohes Interesse an digitalen Services.

Nachdem sich 2018 die drei Vorreiter mit ihren Konzepten am Markt positioniert haben, treten demnächst, wenn die Vorgaben der gematik zu einer einheitlichen Grundstruktur der ePA geführt haben, die weiteren Services, die die Kassen über die und neben den Akten den Versicherten bieten, in den Vordergrund. Der Wettbewerb um den besten Service und die nützlichsten Gesundheitsapps wird die nächste Phase bestimmen und hoffentlich für die Versicherten viele Vorteile bringen.

Bei der internen Digitalisierung sind der beginnende Fachkräftemangel und die Notwendigkeit Verwaltungskosten einzusparen die treibenden Faktoren. Waren früher selbstlernende Algorithmen der Königsweg, versucht man nun KI einzubinden und jahrelang an Dienstleister ausgelagerte Prozesse intern durch Software erledigen zu lassen. Das Fachpersonal entscheidet nur noch die kompliziertesten sozialrechtlichen Fragen und wird zunehmend in Richtung IT oder kundennaher Dienstleistungen verlagert.

Für die vielen smarten Start-ups stellt sich weiter die Frage, wie sie in den Gesundheitsmarkt eintreten können. Wenn diagnostische oder therapeutische Leistungen Bestandteil des Angebots sind, ist die Anbindung an hochsichere Infrastrukturen und die Berücksichtigung des Medizinproduktegesetzes unerlässlich. Die große Frage ist: Welche neuen Geschäftsmodelle, die die weiterbestehenden Werthebel auf Kostenträgerseite berücksichtigen und die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, erweisen sich für alle Seiten als interessant und tragfähig? Wer überzeugt die Versicherten?

Die Healthcare Shapers verstehen die Problematik im Zusammenspiel aller Akteure und helfen auch denjenigen, die im regulierten Gesundheitsmarkt am Ende des Tages zahlen. So entsteht Mehrwert für alle Beteiligten.

 

    Kontakt

    Dr. med. Elisabeth Siegmund-Schultze ist selbständig und berät Krankenversicherungen, deren Dienstleister und andere Unternehmen bei der Digitalisierung und der Gestaltung neuer Versorgungsformen. Die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe arbeitete zuvor 15 Jahre in der gesetzlichen Krankenversicherung und 10 Jahre in der ambulanten und stationären Patientenversorgung.

    Dr. med Elisabeth Siegmund-Schultze

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