Ein Blick auf aktuelle KI-Innovationen zeigt: Optimierungspotenziale eröffnen sich besonders dann, wenn KI-Tools als integrierte Lösungen arbeiten und sich synergistisch verstärken. So wie myScribe – der KI-generierte Arztbrief – und Prof. Valmed – der KI-Assistent für evidenzbasierte Diagnose- und Therapieempfehlungen.
Beim Healthcare Shapers LiveTalk haben wir mit beiden Gründerinnen, Dr. med. Ira Stoll und Dr. jur. Vera Rödel, darüber gesprochen, wie ihre Innovationen den Klinikalltag verändern, wie sie das Tempo der Implementierung von KI-Lösungen grundsätzlich einschätzen, welche Hürden sie erleben und was es aus ihrer Perspektive braucht, damit KI in der Breite der Krankenhauslandschaft in Deutschland ankommt, Arbeitsbelastung reduziert, Effizienz erhöht und die medizinische Versorgung verbessert.
- Dr. med. Ira Stoll ist Ärztin und Gründerin des Start-ups myScribe. Als Urologin hat sie im Klinikalltag massiv unter der hohen Dokumentationslast gelitten.
“Klinische Dokumentation darf nicht der Grund dafür sein, dass Ärzt*innen ihren Job aufgeben“, so bringt die Gründerin von myScribe ihre Motivation auf den Punkt.
- Dr. jur. Vera Rödel, MHMM, ist Gründerin und CEO von Prof. Valmed. Ihr Startup hat das erste MDR-zertifizierte Medizinprodukt der Klasse IIb entwickelt, das ein Large Language Model (LLM) einsetzt. Ihr Tool verknüpft evidenzbasierte medizinische Informationsquellen mit individuellen Patientendaten und hilft auf diese Weise, diagnostische Entscheidungen sowie Therapieempfehlungen in allen Fachbereichen zu validieren und zu optimieren.
Beide Expertinnen arbeiten in Pilotprojekten zusammen, überzeugen Kliniken vom Mehrwert ihrer Lösungen und sprechen beim Healthcare Shapers Live Talk über Hürden und Chancen sowie ihren Blick auf zukünftige Entwicklungen von KI im klinischen Versorgungsalltag.
Krankenhäuser in Deutschland – noch wenig „digitale Reife“
Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) wurden rund 4,3 Milliarden Euro investiert, um den digitalen Reifegrad von rund 1.600 Kliniken in Deutschland zu erhöhen. Der große Durchbruch ist ausgeblieben – im internationalen Vergleich sind Deutschlands Kliniken weiterhin abgeschlagen (Digital Radar 2026).
„Vor der Gründung von myScribe hat es mich als junge Ärztin frustriert, dass ich 4 bis 6 Stunden täglich vor dem Computer verbringen musste, obwohl ich eigentlich Patienten helfen und als Chirurgin operieren wollte. 15 Minuten Visite am Tag bei ca. 30 Patienten – das stand für mich im krassen Missverhältnis zu meiner primären Intention als Ärztin“, so Ira Stoll. „Die Dokumentation habe ich als eine riesige Belastung erlebt. Wir mussten uns alle Daten aus verschiedenen Systemen zusammensuchen. Labordaten aus dem Laborsystem, Behandlungsdaten aus verschiedenen Krankenhausinformationssystemen (KIS). Dann haben wir Word geöffnet, die Daten hineinkopiert und anschließend den Brief für das Schreibbüro diktiert. Das war hochgradig ineffizient, kostete viel Zeit und Nerven und geht heute viel einfacher – dank myScribe“, beschreibt Ira Stoll ihre Motivation zur Gründung.
Mit KI-generiertem Arztbrief Dokumentationslast reduzieren
„Wir nutzen ein sogenanntes Large Language Model (LLM) und können außerdem direkt auf alle Informationssysteme zugreifen, die in der Klinik die relevanten Patientendaten für den Arztbrief speichern. myScribe holt sich die Daten, schlägt einen Arztbrief vor, der dann vom Arzt geprüft, korrigiert und finalisiert wird.“
Wichtig: Der Arzt ist immer die letzte Instanz und bleibt zu 100 Prozent verantwortlich für die Richtigkeit des Arztbriefes.
„Angenommen, die Daten, die myScribe aus den OP-Berichten zieht, wären falsch, dann würden sie auch im Arztbrief falsch ausgegeben. Daten zu bewerten, sie auf Widersprüchlichkeiten zu prüfen und zu korrigieren – das bleibt allein die Aufgabe des Arztes, der den Brief final freigibt. Aus diesem Grund ist myScribe nicht als Medizinprodukt zertifiziert“, erklärt Ira Stoll. Ganz im Gegensatz zur Lösung von Prof. Valmed.
Mit KI-Assistent zu evidenzbasierten Diagnose- und Therapieempfehlungen
Prof. Valmed ist ein zertifiziertes Medizinprodukt – das weltweit erste Medizinprodukt der Risikoklasse IIb, das ein LLM nutzt.
Dieses Tool generiert Empfehlungen zur Diagnose und Therapie und unterstützt damit die ärztliche Entscheidungsfindung. Welche Patientendaten dazu fachspezifisch einbezogen werden, definieren die jeweiligen Abteilungen in den Kliniken. Die kuratierte Datenbank von Prof. Valmed umfasst ca. 2 Millionen frei zugängliche, evidenzbasierte Dokumente, darunter Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften, Zulassungsstudien und HTA-Reports. Mithilfe eines LLMs werden daraus Entscheidungsempfehlungen generiert – immer orientiert an einer kuratierten und regelmäßig aktualisierten evidenzbasierten Datengrundlage.
„Unser LLM greift auf eine geschlossene, kuratierte Datenbasis zu. Dadurch wird das Halluzinationsrisiko erheblich reduziert; zusätzlich bleiben alle Empfehlungen bis zur Quelle nachvollziehbar,“ erklärt Vera Rödel.
Die Risikoklasse IIb von Prof. Valmed ist die zweithöchste, die es gibt. Warum Prof. Valmed sich für diese Zertifizierung entschieden hat, erklärt die Expertin wie folgt: „Die KI entwickelt sich technisch sehr schnell und die LLMs werden dadurch immer besser. Unsere Einstufung orientiert sich am klinischen Einsatzbereich und dem regulatorischen Risikoprofil des Systems. Änderungen werden im Rahmen der MDR- und Qualitätsmanagementprozesse bewertet.
Unser System lernt nicht, es nutzt immer und ausschließlich eine kuratierte Datenbank.
Die Zertifizierung regelt auch, in welchen Zeitintervallen die Datenbank aktualisiert wird. So stellen wir sicher, dass unser System immer die beste verfügbare Evidenz in die Empfehlungen einbeziehen kann und diese immer bis zur Quelle rückverfolgt werden können,“ so die Expertin.
Ressourcen einsparen, Patientensicherheit verbessern
„Nicht nur für einen Arzt mit Sprachbarrieren, der z. B. den Fließtext in der Epikrise ungestützt in deutscher Sprache erstellen muss, sondern auch für den Oberarzt bzw. Chefarzt, der diese Briefe final redigiert, ist der Zeitaufwand durch die Nutzung von LLMs enorm. Die sog. Revidierzeit reduziert sich z. B. um rund 80 Prozent.
Pro Tag und Arzt kommen so rund 2 Stunden Zeitersparnis zusammen – in den chirurgischen Fächern ist es etwas weniger, bei internistischen Fächern etwas mehr,“ so Ira Stoll.
Und es gibt noch einen weiteren positiven Effekt: Die Arztbriefe werden besser lesbar, das reduziert Missverständnisse. „Mit Hilfe von KI könnte man sogar einen Schritt weitergehen und die Informationen aus dem Arztbrief direkt in einfache, für Patienten verständliche Sprache überführen. Technisch ist das kein Problem, allerdings führt das zur Frage, wer diese „Übersetzungen“ final auf inhaltliche Richtigkeit prüfen soll. Machen wir das z. B. mit einem Disclaimer „Ohne Gewähr“? Oder wird das zu einer Zusatzaufgabe für den Arzt, der den Brief schreibt?“ erklärt Ira Stoll die Herausforderungen.
„Auch die Empfehlungen von Prof. Valmed können in der vom Therapeuten gewünschten Sprache ausgegeben werden, d. h. für das Fachpersonal mit Sprachbarrieren verbessert sich die Lesbarkeit und Verständlichkeit von Therapie- und Diagnoseempfehlungen. Das reduziert Missverständnisse und Fehler, durch die Patienten im schlimmsten Fall zu Schaden kommen könnten“, ergänzt Vera Rödel.
So rechnen sich KI-Tools für Kliniken!
„In einem Piloten mit der Universitätsklinik Freiburg haben wir berechnet, wann sich die Investition in Prof. Valmed amortisiert – der Return on Invest (ROI) für dieses Haus wurde nach zwei Monaten erreicht, d. h. so lange hat es gebraucht, bis sich die Kosten von Prof. Valmed durch die Zeitersparnis der Nutzer für das Haus gerechnet haben,“ erklärt die Expertin.
Prof. Valmed & Universitätsklinik Freiburg: Eine Erfolgsgeschichte (2025)
Nutzer in Phase 1:
• 5% der Fachärzte: 130
• 3% des klinischen Personals: 108
Berechnung basierend auf einer durchschnittlichen Zeitersparnis von 1 Stunde pro Tag:
• Lizenzkosten: 900 EUR pro Nutzer und Jahr
• Gesamtkosten: 214.200 EUR p. a.
• Durchschnittlicher Stundensatz eines Arztes: 48 EUR/Stunde
• Durchschnittlicher Stundensatz eines Fachangestellten: 22 EUR/Stunde
• Monatliche Gesamteinsparungen: 157.960 EUR
Ergebnis:
Die Anfangsinvestition für das Universitätsklinikum hat sich im zweiten Monat amortisiert.
Quelle: Prof. Valmed
KI-Implementierung – Status Quo
In Deutschland gibt es rund 1.600 Kliniken, die von den beschriebenen, positiven Effekten der beiden KI-Lösungen myScribe und Prof. Valmed im Klinikalltag profitieren könnten. Uns interessieren die Vertriebswege und das Vorgehen in der Ansprache der Häuser:
„Wir gehen mit Prof. Valmed nicht direkt in die Häuser, sondern immer als integrierte Lösung in Kooperation mit Partnern wie Telekom oder SAP," so Vera Rödel. Es sind also diese KIS-Anbieter, die uns in die Häuser bringen, einen eigenen Vertrieb haben wir nicht. Im niedergelassenen Bereich arbeiten wir z. B. mit dem PVS-System Medatixx zusammen, über die wir die Arztpraxen erreichen,“ so Vera Rödel.
„Wir sind heute in 14 Häusern mit myScribe vertreten und kämpfen mit einer stark fragmentierten KIS-Landschaft.
"Als wir vor 3 Jahren gestartet sind, haben uns die KIS-Anbieter wahrlich nicht mit offenen Armen empfangen, die Großen haben wir als besonders restriktiv erlebt: Was ihr liefert, das machen wir selbst! Tatsächlich passiert ist bisher nichts,“ so die Erfahrung von Ira Stoll. „KIS-Anbieter verzichten eher auf eine KI-Lösung wie myScribe, als sie zu kaufen. In Deutschland ist mit dem KHZG viel Geld geflossen, das hat die Fragmentierung der KIS-Landschaft hierzulande getriggert. Weil Interoperabilität kein Fördertatbestand im KHZG war, sind so leider viele Insellösungen entstanden,“ fasst Ira Stoll zusammen.
Per aspera ad astra – Ohne CDA kein KI-Boost!
Damit KI-Systeme wie myScribe mit Daten aus klinischen Dokumenten arbeiten können, müssen sie tief integriert sein. myScribe selbst hostet keine Daten. Die Häuser müssen sich selbst darum kümmern und ihre CDA (Clinical Document Architecture) – also ihre Dokumentenarchitektur selbst entwickeln. Erst dann ist die standardisierte, strukturierte Übertragung von medizinischen Inhalten z. B. aus OP-Berichten, Laborberichten, Befunden, Arztbriefen etc. möglich.
„Das ist viel Aufwand und in jeder Klinik ist der Weg dahin ein anderer. Es dauert mindestens 3 Monate und kostet viel Geld, schafft aber erst die Voraussetzung, dass KI-Tools wie myScribe genutzt werden können.
In allen Häusern, in denen wir vertreten sind, laufen wir On-Prem auf superteuren Servern. „On Premise“ bedeutet, dass Software und IT-Infrastruktur direkt im eigenen Unternehmen betrieben und verwaltet werden im Gegensatz zur Nutzung externer Cloud-Dienste. Viele Häuser haben Angst vor Cloud-Lösungen, langsam ändert sich das, im Ausland sowieso,“ erklärt Ira Stoll.
„Wir bieten Prof. Valmed nicht On-Prem an, weil unsere LLMs etwa 50-mal so groß sind, wie die LLMs, die On-Prem in den Häusern laufen.
Aufgrund der Modellgröße, Skalierungsanforderungen und kontinuierlichen Aktualisierung setzen wir derzeit auf eine Cloud-basierte Architektur,“ erklärt Vera Rödel die Entscheidung.
Dokumentenarchitektur für Kliniken aufsetzen – ein neues Geschäftsmodell?
Ein Teilnehmer der Diskussion stellt die Frage, ob Häuser den Aufwand für die viele Vorarbeit von myScribe bezahlen oder wie sich das für myScribe rechnet. „Wir sind tatsächlich dabei, unser Produktangebot zu erweitern und diese Leistungen dann auch zu bepreisen. Denn sowohl für die Häuser als auch für alle KI-Anbieter, die wie wir ihre Lösungen integrieren wollen, ist diese Vorarbeit essenziell.
Die Häuser erkennen, dass ihre Haus-IT mit der Entwicklung immer neuer Schnittstellen, sog. APIs, nicht nachkommt und komplett überfordert ist. Sie wissen auch, dass sie zukünftig digitale Ökosysteme brauchen, um KI-Lösungen integriert nutzen zu können.
Der Unterstützungsbedarf ist enorm, auch wenn die technische Infrastruktur in Teilen aus Mitteln des KHZG geschaffen ist. Jetzt geht es darum, die Daten aus den unterschiedlichen Informationssystemen zu "mappen", sie also verknüpfbar zu machen. Das ist keine Aufgabe, die man an Hilfswissenschaftler (HiWi) abgeben kann; da muss sich jemand dransetzen, der das kann, wir können hier unterstützen,“ erklärt Ira Stoll.
Leistungsabrechnung integrieren – Hebel für kürzere Sales-Zyklen?
Ein Diskussionsteilnehmer empfiehlt den Blick über den Atlantik, wo Klinikverbünde kooperieren, um z. B. KI-gestützt neue Abrechnungsmodelle zu entwickeln. Diese Systeme generieren dann u. a. auch patientenrelevante Informationen, die sich kommerzialisieren lassen. Dr. Nicole Fehrenbacher, Life Science Lead im Startup-Ökosystem von futury, sieht in Kooperationen, die auf solche Synergien setzen, große Chancen, in der Implementierung von Innovationen schneller voranzukommen.
„Ja, in diese Richtung denken wir mit einer 2. Produktlinie, die die bereits erwähnte Schnittstellen-Technologie adressiert. Aber auch die Einbeziehung von Abrechnungsdaten könnte spannend sein, um die langen Sales-Zyklen von 6 bis 9 Monaten zu verkürzen
Die Leistungsabrechnung ist sehr relevant für die Häuser. Zeigen wir, dass myScribe einfacher und schneller bessere Daten liefern kann, kann das ein starkes Argument werden,“ so Ira Stoll.
Integration von KI-Lösungen beschleunigen – wie?
„Ich setze sehr hohe Erwartungen in das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), den sog. Transformationsfonds. Dieser Fonds fördert genau solche Projekte, die die Versorgung integriert verbessern, während Insellösungen keine Chance haben,“ freut sich Ira Stoll. „Aber auch in der Förderung von Startups müssen wir besser werden, damit Lösungen wachsen und skalieren können, speziell in der Wachstumsphase von Startups gibt es zu wenig Förderangebote,“ so die Einschätzung von Ira Stoll.
KI-Kompetenz in Kliniken stärken
Die regulatorischen Leitplanken sind mit dem EU AI Act gezogen, parallel müssen jetzt KI-Kompetenz, Vertrauen und Akzeptanz für die neuen KI-Lösungen bei Anwendern entwickelt werden. „Deshalb bieten wir mit der Valmed A(I)cademy® eine E-Learning-Plattform, die KI-Wissen interaktiv und flexibel vermittelt.
Die Nutzer lernen, warum sie sich auf die Empfehlungen von Prof. Valmed verlassen können. Das steigert die Bereitschaft, unser Tool im Klinikalltag auch zu nutzen.
Die Kurse bieten wir in vielen Sprachen und natürlich gibt es CME-Punkte für diesen „KI-Führerschein,“ erklärt Vera Rödel. Wie wichtig es ist, KI-Kompetenzen der Anwender zu entwickeln, ergänzt ein Diskussionsteilnehmer mit dem Hinweis auf die Träger Digital Days für die Medizintechnik.
Interoperabilität ausbauen
„Nach unserer Erfahrung treffen wir bisher leider noch auf wenig AI-Kompetenz, deshalb ist die Regulierung durch den EU AI Act vollkommen richtig und wichtig,“ beschreibt Ira Stoll ihre Erfahrung. „Aus unserer Sicht müsste die Regulatorik noch viel strenger sein, gerade im Hinblick auf Interoperabilität. Die KIS-Anbieter „sitzen“ auf den Schnittstellen. Sie lassen sich jede API extra bezahlen.
Deshalb lautet meine Empfehlung, den FHIR-Standard für KIS-Anbieter verpflichtend zu machen; das würde den Häusern sehr viel Geld sparen,“ ist Ira Stoll überzeugt.
Die "echten" KI-Risiken richtig einschätzen!
„Häufig erlebe ich, dass Datenschutzbedenken besonders hier in Deutschland KI-Projekte blockieren. Wir haben zwar ein europäisches Datenschutzrecht – die Auslegung ist aber sehr unterschiedlich, in Deutschland besonders streng und eng,“ so Vera Rödel, die auch Juristin ist. „Auf der anderen Seite schaut man weg und ignoriert, wie ChatGPT inoffiziell auf eigene Faust genutzt wird, weil die Mitarbeiter in den Häusern sonst ihr Arbeitspensum gar nicht mehr schaffen könnten. Das ist ein echtes Problem.
Die Risiken von Cloud-Diensten und die reellen Risiken durch die inoffizielle Nutzung von Patientendaten im Klinikalltag stehen aus meiner Sicht im krassen Missverhältnis. Und die Behörden kommen nicht nach, Verstöße zu identifizieren und zu ahnden,“ beschreibt Vera Rödel die Situation.
„Außerdem kostet die Angst vor der Cloud viel Geld: Die Häuser müssen 80.000 bis 100.000 Euro investieren, bis unsere KI-Systeme on-Prem laufen. Das rechnet sich nicht. Deshalb ist in den letzten drei Jahren die Bereitschaft für Cloud-Lösungen auch hier in Deutschland gewachsen, außerhalb von Deutschland dominieren sie ohnehin heute schon,“ ergänzt Ira Stoll.
Die Vision 2030+: Klinikalltag mit integrierten KI-Lösungen!
„Ich bin überzeugt, dass wir keine schnelle Entwicklung erleben werden. Das geht alles sehr, sehr langsam. Was ich mir als Vision wünsche, ist, dass jede Klinik 2030 ihr eigenes CDA hat – eine Single Source of Truth, die alle Systeme im Krankenhaus vernetzt. Wir sollten alle Hersteller zu Interoperabilität ermutigen und in den Häusern auch mehr Mut entwickeln, die neuen KI-Lösungen anzuwenden, nicht erst, wenn z. B. die alte Arztbriefschreibung abgeschaltet wird,“ wünscht sich Ira Stoll.
„Der Trend geht eindeutig hin zu digitalen Datenökosystemen und weg von Insellösungen. Und die MDR sehe ich in diesem Kontext weniger als Bremse, sondern als Qualitätssiegel,“ so Vera Rödel.
Vielen Dank an die beiden Expertinnen Dr. med. Ira Stoll und Dr. jur. Vera Rödel, vielen Dank auch an Günther Illert, Strategie Coach und Workshop-Moderator, sowie die Digital Health Expertin Dr. Ursula Kramer, die den Healthcare Shapers Live Talk wie immer moderiert haben.
Weitere, spannende Diskussionen rund um die smarte Nutzung von Daten in der Gesundheitsversorgung: Healthcare Shapers LiveTalk Blog
Quellen:
1. myScribe
2. Prof. Valmed
3. Healthcare Shapers LiveTalk – KI im Klinikalltag
4. Dr. med. Ira Stoll (LinkedIn)
5. Dr. jur. Vera Rödel (LinkedIn)
6. Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG)
7. Digital Radar 2026
8. Dr. Nicole Fehrenbacher (LinkedIn)
9. futury
10. Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG)
11. Träger Digital Days
12. Günther Illert (Healthcare Shapers)
13. Dr. Ursula Kramer (Healthcare Shapers Profil)
14. Healthcare Shapers LiveTalk Blog